Crosseffekt (Photoshop CS)

Es wird sich wohl nicht mehr klären lassen, ob die Entdeckung des Crosseffekts ein Zufall oder Absicht war. Der Crosseffekt entsteht in der analogen Fotografie, wenn ein Farbdiafilm im Labor "falsch" wie ein Negativfilm im C41-Prozess entwickelt wird. Das Ergebnis sind knallige in den Gelbbereich verschobene Farben, harte Kontraste mit ausgewaschenen Lichtern und ein gröberes Korn.

Natürlich kann dieser Effekt auch mit einem Bildbearbeitungsprogramm simuliert werden. Ein möglicher Weg ist die Veränderung von Farbe und Kontrast mit Hilfe der Gradationskurven. Wirklich zufriedenstellende Ergebnisse habe ich so jedoch noch nicht erreicht.

Bewährt hat sich hingegen eine Methode, die auf den ersten Blick sehr kompliziert erscheint, mit ein wenig Routine aber gut zu beherrschen ist. Mit Hilfe des Lab-Farbmodus wird eine Überlagerungsebene erstellt, die die Farb- und Kontrastverschiebungen simuliert.

1. Schritt

Das Ausgangsbild sollte im RGB-Modus vorliegen. Die Überlagerungsebene wird nicht in der Ausgangsdatei erstellt, sondern in einer Bildkopie. Mit dem Befehl "Bild > Bild duplizieren..." wird deshalb zunächst eine Kopie erzeugt.

2. Schritt

Diese Kopie wird nun mit dem Befehl "Bild > Modus > Lab-Farben" in den Lab-Farbmodus umgewandelt. Wenn noch mehrere Ebenen in der Kopie vorhanden sind, gibt Photoshop folgende Warnmeldung aus:

Betätigen Sie in diesem Fall die Schaltfläche "Reduzieren", damit die Ebenen vor der Umwandlung auf den Hintergrund reduziert werden.

3. Schritt

Die Änderungen von Kontrast und Farbe erfolgen nun im Lab-Modus. Im Lab-Farbmodus sind die Helligkeitsinformationen von den Farbinformationen getrennt. Im L-Kanal (in Photoshop: "Lab-Helligkeit") sind die Helligkeitsinformationen gespeichert, während der a-Kanal die Farben von Rot nach Grün und der b-Kanal die Farben von Gelb nach Blau beschreibt. Dieses hat den Vorteil, dass Kontrast und Farbe auch getrennt von einander bearbeitet werden können.

Einfach aber dennoch effektiv läßt sich die Bearbeitung mit einer Tonwertkorrektur vornehmen (als Befehl: "Bild > Anpassen > Tonwertkorektur..." oder als Einstellungsebene).

Zunächst wird im Kanal "Lab-Helligkeit" der Gammawert leicht erhöht. Als Richtwert kann hier von 1,20 ausgegangen werden. Je mehr der Gammawert erhöht wird, desto stärker werden die Bildinformationen aufgehellt und um so stärker waschen die Lichter später aus.

Danach wird im Kanal "b" ebenfalls der Gammawert erhöht. Im Beispiel wurde der Wert auf 1,40 gesetzt. Eine weitere Erhöhung würde eine stärkere Verschiebung der Farben nach Gelb bewirken. Durch ein wenig Ausprobieren kann leicht der zum jeweiligen Ausgangsbild und zum eigenen Geschmack passende Wert gefunden werden.

Das Ergebnis ist ein helleres Bild mit einem Gelbstich. Bei Bedarf kann auch der Gammawert im a-Kanal ganz leicht erhöht werden. Hierdurch wird dem Bild ein wenig Rot hinzugefügt.

4. Schritt

Wer im dritten Schritt die Änderungen mit Hilfe von Einstellungsebenen vorgenommen hat, muss nun die Ebenen auf den Hintergrund reduzieren (Befehl: "Ebene > Auf Hintergrundebene reduzieren").

Anschließend wird mit dem Befehl "Auswahl > Alles auswählen" eine Auswahl um das gesamte Bild gelegt. Mit dem Befehl "Bearbeiten > Kopieren" wird diese Auswahl dann in den Zwischenspeicher kopiert.

Das Dublikat des Ausgangsfotos wird danach nicht mehr benötigt.

5. Schritt

Rufen Sie nun wieder das Fenster mit dem Ausgangsfoto auf.

Ändern Sie die Füllmethode auf "Überlagern".

Auch hier ist noch Spielraum mit der Füllmethode und der Deckkraft zu experimentieren. Statt "Überlagern" können auch "Hartes Licht", "Strahlendes Licht" oder "Lineares Licht" geeignete Füllmethoden sein. Im Beispiel wurde die Füllmethode auf "Lineares Licht" und die Deckkraft auf 70 % eingestellt.

6. Schritt

Zum Abschluss kann nun noch bei Bedarf grobes Filmkorn simuliert werden. Dieses kann mit einem entsprechenden Störungsfilter erfolgen. Der Filter sollte jedoch nicht direkt auf die Hintergrundebene angewendet werden. Besser ist eine neutralgraue Überlagerungsebene.

Öffnen Sie mit dem Befehl "Ebene > Neu > Ebene..." den Dialog "Neue Ebene".

Wählen Sie in dem Dialog den Modus "Überlagern" und aktivieren Sie das Kontrollkästchen "Mit der neutralen Farbe für den Modus 'Überlagern' füllen (50 % Grau)". Es entsteht eine neue Überlagerungsebene, die (noch) keinen Einfluss auf das Bild hat.

Auf diese Ebene wird nun der Filter "Störungen hinzufügen" angewendet (Befehl: Filter > Störungsfilter > Störungen hinzufügen...).

Wählen Sie im Dialog für die Verteilung die "Gaußsche Normalverteilung" und aktivieren Sie das Kontrollkästchen "Monochrom". Welche Stärke die Störungen haben sollen hängt von der Größe des Fotos und der gewünschten Körnigkeit ab. Verfolgen Sie die Resultate in der Vorschau.

Das Ergebnis

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